Digitalisierung in Gesundheit, Pflege und Prävention

Innovative digitale Technik kann Pflegekräfte und pflegende Angehörige entlasten, Ärztinnen und Ärzte dabei unterstützen, noch präziser zu behandeln und durch Vernetzung von Daten neues Wissen über Zusammenhänge erschließen. Digitalisierung und Zuwendung schließen sich dabei nicht gegenseitig aus – im Gegenteil. Das bayerische Gesundheitsministerium fördert daher eine Vielzahl von Pilotprojekten, damit Bürgerinnen und Bürger künftig noch besser medizinisch und pflegerisch versorgt werden können.

Aktuelles und Veranstaltungsrückblicke

Teaserbild für den Bayerischen E-Health-Kongress 2023

E-Health-Kongress 2023

Podiumsdiskussion zur Gesundheitsdatennutzung in der Bayerischen Vertretung in Berlin

Podiumsdiskussion zur Gesundheitsdatennutzung

Damit Medizin individuell zugeschnitten werden kann

Projekt „DigiMed Bayern – Pilotprojekt zur P4 Medizin in Bayern“

Die Personalisierte Medizin (auch „P4-Medizin“: prädiktiv, präventiv, personalisiert, partizipatorisch) gilt als eine der weltweit erfolgversprechendsten medizinischen Entwicklungen unter Verwendung digitaler Technologien. Dieser datenbasierte Ansatz lässt einen Quantensprung im Verständnis von Krankheiten und den daraus resultierenden therapeutischen und präventiven Ansätzen erwarten. In den USA, England, Frankreich und China wurden dazu umfangreiche Programme aufgelegt.

Das Pilotprojekt „DigiMed Bayern– Pilotprojekt zur P4 Medizin in Bayern“ ( kurz: „DigiMed Bayern“) ist ein bayerisches Leuchtturmprojekt zur Weiterentwicklung der datenbasierten Medizin. Es wurde am 26. Februar 2019 im Ministerrat vorgestellt. Im Zentrum des Projekts steht die Atherosklerose – die in Bayern und weltweit am häufigsten zum Tode führende Erkrankung.

Von zentraler Bedeutung für das Projekt ist die Verknüpfung von klinischen und epidemiologischen Datensätzen mit individuellen Patientendaten und die Erweiterung durch molekulare Charakterisierung (Omics-Analysen). Zudem soll eine übertragbare, integrierte digitale Infrastruktur geschaffen werden. Die Erkenntnisse aus dem Projekt sollen – so die Erwartung – die Anzahl von schicksalhaften und dramatischen Verläufen als Folge von Herzinfarkten und Schlaganfällen nachhaltig senken.

Das Projekt berücksichtigt auch ethische, rechtliche und soziale Auswirkungen der Arbeitsergebnisse.

Logo DigiMed Bayern

Geplante Laufzeit: Q4/2018 bis Q4/2024 (6 Jahre)

Wissenschaftliche Leitung: Deutsches Herzzentrum München

Projektkoordinator: BioM Biotech Cluster Development GmbH

Projektträger: Bayern Innovativ GmbH

Fördernehmer: Deutsche Herzzentrum München, Technische Universität München, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, Ludwig-Maximilians-Universität München, Klinikum der Universität München, Helmholtz Zentrum München, Max-Planck-Institut für Biochemie, Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

Noch mehr Infos auf einen Blick: Flyer zum Projekt

Hand mit einem Stapel aus Würfel mit medizinischen Symbolen
Logo Care Regio
Damit die Pflege nachhaltig und zukunftsorientiert gestaltet wird.

Projekt „CARE REGIO“

Der Pflegesektor sieht sich einem wachsenden Fachkräftemangel und einer gleichzeitig steigenden Anzahl unterstützungs- und versorgungsbedürftiger Menschen gegenüber gestellt. Die Nutzung digitaler Gesundheitstechnologien wird in diesem Zusammenhang als große Chance verstanden, um einen erheblichen Mehrwert für den Pflegebereich zu schaffen. Gleichzeitig ist digitale Technik auch in der Pflege kein Selbstzweck, sondern soll zu Pflegende und Pflegende bestmöglich unterstützen.

Das Projekt „CARE REGIO“ in der Region Bayerisch-Schwaben ist ein Verbundprojekt, das die Möglichkeiten der digitalen Gesundheitstechnologie nutzen möchte. So sollen Ideen und Technologien entwickelt werden, die Pflegende und zu Pflegende mit neuen technisch-digitalen Prozessen und Systemen unterstützen können. Hauptziel des Projekts ist die Entlastung der Pflegekräfte durch Zeit- und Arbeitsersparnis bei gleichzeitig verbesserter Pflegequalität und damit einhergehend einer Erhöhung der Lebensqualität, sowohl für die Pflegenden als auch diejenigen, die gepflegt werden.

Die Konsortialführerschaft und wissenschaftliche Gesamtleitung hat die Hochschule Kempten inne, Projektträger ist die Bayern Innovativ GmbH. Die vier weiteren Konsortialpartner sind die Hochschule Neu-Ulm, die Universität Augsburg, das Universitätsklinikum Augsburg und die Hochschule Augsburg.

Aufgrund der Komplexität wurde das Gesamtprojekt in zwei Phasen unterteilt: In Phase 1 wurden seit 2019 die bestehenden Versorgungsprozesse und -stationen analysiert und die für Phase 2 relevanten Handlungsfelder konstituiert. Das so erarbeitete Transferkonzept befindet sich seit Ende 2020 in der Umsetzungsphase; die Projektlaufzeit beträgt vier Jahre.

Zentrale Handlungsfelder sind die Digitalisierung des Pflegeüberleitungsberichts mit Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI), der Einsatz von technischen Assistenzsystemen in der Pflege (Assistive Systeme), die Schaffung eines digitalen Wissens-Repository („Pflege-Wiki“), die Etablierung eines für die Pflege angepassten Daten-Pools („Pflege Data Lake“), eine wissenschaftliche Begleitung des Vorhabens, sowie ethischer, sozialer und rechtlicher Vorgaben, sowie die Vernetzung relevanter Akteure und entsprechende Öffentlichkeitsarbeit.

Damit Reha nachhaltig wirkt.

Ausbau der Digitalisierung bayerischer Reha-Einrichtungen durch Vernetzung mit Akut-Krankenhäusern über die Telematikinfrastruktur (Reha-TI-Netzwerk II)

Das Vorhaben „Reha-TI-Netzwerk II“ schließt direkt an das Projekt „Digitales Rehabilitationskonsil mit Anbindung an die Telematikinfrastruktur“ (kurz: Reha-/TI-Konsil) an. Die aus dem Vorgängerprojekt gewonnenen Erkenntnisse werden für die weitere Digitalisierung und Vernetzung der stationären Reha-Einrichtungen genutzt. Ziel ist es, den Prozess von der Antragstellung einer Anschlussheilbehandlung (AHB) im Akutkrankenhaus bis zur Aufnahme des Patienten in der Reha-Einrichtung in einem Pilotprojekt zu digitalisieren. Dadurch soll im stationären Bereich die digitale Vernetzung aller an der Rehabilitation beteiligten Akteure –  Krankenhäuser, Arztpraxen und Reha-Einrichtungen sowie der Kostenträger – optimiert werden. Daten und medizinische Befunde, die bisher per Brief oder Fax ausgetauscht werden, sollen künftig digital und strukturiert innerhalb des Netzes der Telematikinfrastruktur (TI) ausgetauscht werden.

Darüber hinaus wird das Projektkonsortium die im Vorgängerprojekt Reha-/TI-Konsil bereits entwickelte TI-Anwendung Reha-Konsil erweitern: Neben niedergelassenen Ärzten werden pilotweise auch Krankenhäuser digital mit den Reha-Einrichtungen vernetzt, um eine direkte Kommunikation zwischen Krankenhaus und Reha-Einrichtung zu ermöglichen. Zusätzlich sollen für eine erleichterte und zeitnahe Antragsstellung auch die Kostenträger (Krankenkassen und Träger der Deutschen Rentenversicherung) über das Reha-Konsil eingebunden werden.

Das Vorhaben wird im Zeitraum vom 01.05.2022 bis 30.04.2024 von der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg und dem Unternehmen Monks Ärzte-im-Netz GmbH umgesetzt.

Physiotherapeutin hilft Patientin bei Laufübung
Senior schaut gemeinsam mit Jungen auf Tablet
Damit Pflegebedürftige länger zu Hause bleiben können.

Projekt „DeinHaus 4.0“

Intelligente Technik kann im Alltag helfen. Sie kann dazu beitragen, dass pflegebedürftige Menschen länger in ihrem vertrauten häuslichen Umfeld verbleiben können, wenn sie das möchten. Aber auch pflegende Angehörige und professionelle Pflegekräfte sollen damit entlastet werden.

Um aufzuzeigen, wie Pflegebedürftige mittels intelligenter Assistenztechnik möglichst lange zuhause selbstbestimmt leben können, wurde das Projekt „Vorbildliches Pflegewohnumfeld für Pflegebedürftige“ ins Leben gerufen: „DeinHaus 4.0”. Hierzu soll intelligente Technik erlebbar und sichtbar gemacht werden. Dazu wird beispielsweise in Mustereinrichtungen für unterschiedliche Wohnformen vom Haus über die Wohnung bis hin zu Pflegeeinrichtungen nicht nur veranschaulicht, was technisch möglich ist, sondern vor allem auch, ob es einen tatsächlichen Nutzen für die Anwender gibt. Jedes „DeinHaus 4.0“-Projekt setzt dabei eigene Schwerpunkte bei Forschung und Technik.

Pilotprojekte in verschiedenen Regionen:

Das erste „DeinHaus 4.0“ setzt die Technische Hochschule Deggendorf seit Sommer 2018 mit einer Laufzeit bis Ende 2023 um. An mehreren Standorten werden Mustereinrichtungen erlebbar gemacht. Die erste Mustereinrichtung wurde in Osterhofen und in Deggendorf umgesetzt. Auch in Roding im Landkreis Cham wird es eine Mustereinrichtung geben. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde zunächst im BRK Pflegeheim ein kleines „Gaming Center“ vermittelt, das es ermöglicht spielerisch Bewegungen durchzuführen. Sobald es die Situation zulässt, soll das BRK Pflegeheim mit weiteren Sensoren ausgestattet werden.

Das Rosenheimer Forschungsprojekt „DeinHaus 4.0 – Oberbayern Wohnkompetenzzentrum an den Standorten Freilassing und Rosenheim“ hat eine Laufzeit bis Anfang 2024. Es erprobt die Wirksamkeit von technischen Assistenzsystemen und evaluiert die Zufriedenheit der Nutzer. Untersucht wird dabei, wie in Zukunft ein Smart Home aussehen könnte, das den speziellen Bedürfnissen von älteren Menschen, aber auch ihrer Pflege- und Therapiekräfte gerecht wird.

Das Gemeinschaftsprojekt des Landkreises Bad Kissingen und der ZTM GmbH informiert und berät über digitale Wohnassistenzsysteme: Zentral in einer Erlebnis- und Beratungswelt vor Ort in Bad Kissingen, aufsuchend im Rahmen einer Wanderausstellung, die durch ganz Unterfranken unterwegs sein wird, sowie digital unter www.deinhaus4punkt0.de. Das Projekt läuft bis Ende 2024.